Entwicklungsperspektiven des Europäischen Naturschutzes im Rahmen der EU-Osterweiterung
Termin: 8. bis 10. Oktober 2004
Die Europäische Union errichtet seit 1992 das Schutzgebietssystem Natura 2000, bestehend aus FFH- und Vogelschutzgebieten. Stand und Möglichkeiten von Natura 2000 beleuchtete der internationale Fachworkshop mit Naturschützern aus Deutschland, Polen, Lettland und Estland, der im Rahmen des EU-Projektes Flüsse verbinden europäische Regionen in Rostock stattfand. Eingeladen hatten die Heinrich-Böll-Stiftung M-V und der BUND Rostock.
In den drei baltischen Staaten ist man mit der Meldung der NATURA 2000-Gebiete bereits weit voran gekommen. Die Meldelisten sind hier annähernd vollständig. Die aus Polen vorgenommenen Meldungen lassen aus Sicht der Nichtregierungsorganisationen (NROs) jedoch noch große Lücken erkennen. Insgesamt ergibt sich in diesem Staat derzeit eine Situation, die in vielerlei Hinsicht an den Verfahrensablauf in Deutschland erinnert, jedoch nicht ganz so drastisch den Vorgaben hinterher hinkt. In Deutschland besteht die Chance, im Jahr 2005 die Erstellung der Meldelisten endlich abzuschließen. Beim Gebietsmanagement bestehen jedoch noch erhebliche Probleme. Vor allem die Pflege und Entwicklung der geschützten Flächen, die sogenannte Managementplanung, weist noch immer riesige Lücken auf.
Wir können in den EU-Beitrittsländern viel von den deutschen Erfahrungen lernen unterstrich Eerik Leibak vom Estnischen Naturschutzfonds aus Tallin doch bei Natura 2000 haben wir die Nase vorn. Bei uns sieht man offenbar stärker die Chancen, die sich aus der Bewahrung der Natur ergeben. Workshopleiter Jörg Schmiedel vom BUND bestätigt das: Was in den Beitrittsländern in wenigen Monaten erreicht wurde, haben wir in Deutschland kaum in 12 Jahren geschafft. Die Langsamkeit könnte teuer werden. Denn bereits 2001 wurde Deutschland wegen der mangelnden Umsetzung von Natura 2000 vor dem Europäischen Gerichtshof verurteilt und die Zahlung des Strafgeldes lediglich ausgesetzt in der Hoffnung auf baldige fundamentale Verbesserungen.
Der Workshop schloss mit einer Exkursion durch die Rostocker Heide, für die der erste Managementplan Mecklenburg-Vorpommerns unter Federführung des Stadtforstamtes erstellt wird. Die Pläne von Forstamtsleiter Jörg Harmuth stießen unter den Workshopteilnehmern auf großen Anklang. Weniger Gegenliebe fand die Linie des Landes, die Finanzmittel und Personalausstattung für Natura 2000 auf ein Minimum zu begrenzen. In mehreren beteiligten Staaten sind die bereit gestellten Finanzmittel für das Gebietsmanagement mittelfristig absolut unzureichend. Hier Veränderungen zu bewirken wird als eine besondere Aufgabe für die NROs gesehen. Jedoch haben alle beteiligten NROs selber mit erheblichen Finanzproblemen und zu dünner Personaldecke zu kämpfen, die eine effektive Arbeit oftmals sehr behindern. Es wird daher in Zukunft als Voraussetzung für eine dauerhafte Natura 2000-Arbeit u.a. eine Kooperation bei der Einwerbung von EU-Mitteln angestrebt.
Auf dem Workshop konnten Informationen und Erfahrungen ausgetauscht sowie erste Kontakte unter den Naturschutzverbänden geknüpft werden. Wir wünschen, dass er dazu beiträgt, künftig enger zusammenzuarbeiten. Als einen weiteren Schritt in diese Richtung werden wir eine gemeinsame Broschüre mit allen Ergebnissen des Workshops erstellen. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der BUND Kreisgruppe Rostock statt.











