Podiumsdiskussion: Die Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union
Termin: Montag, 03.05.2004, 19.30 Uhr
mit: Mateusz Fakowski, Institut für Öffentliche Angelegenheiten Warschau, Piotr Jendroszczyk, Berlin-Korrespondent der Rzeczpospolita,
Gabriele Lesser, Korrespondentin der taz in Warschau,
Prof. Dr. Ralph Schattkowsky, Historisches Institut, Universität Rostock Universität Thorn/Toru
Ziel der Podiumsdiskussion war, die historische Dimension der Erweiterung zu verdeutlichen und auf Chancen und Herausforderungen einzugehen sowohl auf polnischer als auch auf Seiten der alten EU-Mitgliedsländer.
Es diskutierten Mateusz Falkowski vom Institut für Öffentliche Angelegenheiten Warschau, Piotr Jendroszczyk, Berlin-Korrespondent der Rzeczpospolita, Gabriele Lesser, Korrespondentin der taz in Warschau und Prof. Dr. Ralph Schattkowsky, Historisches Institut, Universität Rostock Universität Thorn/Torun. Die Moderation führte Andreas Baumer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Politik an der Universität Rostock, der in einer kurzen Einleitung einen Abriss über die mit zehn neuen Mitgliedsstaaten größte Erweiterung der Europäischen Union gab.
Der Osteuropahistoriker Prof. Schattkowsky rückte in seinem Statement die historische Dimension des Beitritts Polens zur EU in den Vordergrund unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-polnischen Beziehungen ausgehend vom 2. Weltkrieg. Herr Falkowski gab einen aufschlussreichen Einblick in polnische Sichtweisen auf den EU-Beitritt. Umfragen zu Folge ist beispielsweise das Vertrauen in den Nachbarn Deutschland gesunken, die Haltung Deutschlands und Frankreichs gegenüber Polen wird als arrogant wahrgenommen. Daran anschließen konnte Frau Lesser, die insbesondere anhand des in Berlin geplanten Zentrums gegen Vertreibung auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Polen und Deutschen aufmerksam machte. Die Polen betrachten dieses Zentrum als Affront, sie sehen die Gefahr einer einseitigen Darstellung. Und so machte Frau Leser noch einmal deutlich, wie sehr das Thema Vertreibung das polnische Volk betrifft. Gleichzeitig sprach sie von nationalen Interessen der Polen, thematisierte die Haltung im Irak-Konflikt und zur EU-Verfassung. Beides zeigt, dass Polen seine wiedererlangte nationale Souveränität auch innerhalb der EU sehr selbstbewusst verteidigen wird, aber auch wie groß die Gefahr der Isolation innerhalb der EU ist. Ein ähnlich pessimistisches Bild zeichnete dann auch Herr Jendroszczyk, indem er v.a. auf das instabile politische System in seinem Heimatland einging. Die Spanier hätten dies gescheiter angestellt, ihnen sei es ums Geld, den Polen ums Prinzip gegangen. Gewonnen haben sie mit ihrer Irak-Politik nichts, es gibt keine Erleichterungen bei den US-amerikanischen Visabestimmungen, ebenso bleiben die großen Aufträge beim Wiederaufbau des Irak aus.
Mit 130 TeilnehmerInnen war die Podiumsdiskussion sehr gut besucht. Die Diskussionsbeiträge stießen auf ein hohes Interesse, waren v.a. wegen der unterschiedlichen Perspektiven spannend trotz relativ homogener Standpunkte.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Rostock e.V. statt.
