Tagung: Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern
Die Tagung Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern fand am 5. November 2004 in Kooperation mit dem XENOS-Projekt am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock statt.
Strukturen und Potenzial

Ziel der Veranstaltung in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock war es, über Strukturen und Potenzial des Rechtsextremismus in unserem Bundesland zu informieren und diskutieren.
Eingeladen waren u.a. Michael Flenker vom Innenministerium des Landes, Dierk Borstel vom Zentrum für Demokratische Kultur in Berlin und Henning Flad von der Universität Frankfurt/Oder. Die Rostocker Politikwissenschaftlerin Dr. Gudrun Heinrich gab in ihrem einführenden Vortrag einen Überblick über die Entwicklung des Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern. Herr Flenker konnte mit aktuellen Zahlen anknüpfen, seine Arbeit vorstellen und aus Sicht des Verfassungsschutzes berichten.
Zwar sind die Zahlen der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten in M-V rückläufig, auch die Zahl der NPD-Mitglieder, die Entwicklung bezogen auf rechte Kameradschaften und bundesweit bekannte Bürgerinitiativen mit Titeln wie Schöner Wohnen in Ueckermünde seien mehr als besorgniserregend. Seiner Meinung nach haben wir es mit einer neuen Qualität des Rechtsextremismus zu tun. Insbesondere Jugendliche würden gezielt beeinflusst durch kostenlos verteilte Zeitungen der so genannten Szene (Avanti, Norddeutsches Sprachrohr, Die Stimme der Heimat).
Erscheinungsbild, Organisationsform und die Aktivitäten der rechte Szene haben sich gewandelt. Gerade in den Landkreisen Uecker-Randow sowie Nord- und Ostvorpommern würden vermehrt Fußballturniere, Bürgerinitiativen oder andere Aktionen durchgeführt, oftmals organisiert von Freien Kameradschaften. Gudrun Heinrich hatte diese Strategie zuvor als Wolf im Schafpelz bezeichnet.
Rechte Jugendkultur

Dieser Einschätzung konnte Dierk Borstel zustimmen, der zwar die Schwierigkeit einer Messung rechtsextremer Einstellungen betonte, aber von einer weiten Verbreitung in der Bevölkerung ausgeht. Am Beispiel einer Kommune zeigte er exemplarisch auf, dass Rechtsextremismus nicht nur ein Rand- oder Jugendproblem ist.
Henning Flad gab einen Einblick in die rechte Jugendkultur, v.a. in ihre Entwicklung. Die ursprünglich konservative Tradition der rechten Szene hat sich zu einem neuen, vielschichtigeren und flexibleren Bild und Stil gewandelt. Auf der Suche der 14 bis 16-Jährigen nach Zugehörigkeit ginge es weniger um ein ausgeprägtes Politikbild, als um ein starkes Lebensgefühl. Dabei sei die Bedeutung des Mediums Musik sprunghaft gestiegen, denn sie könne dieses Gefühl sehr gut vermitteln und somit benutzt werden, Nachwuchs zu rekrutieren. Es sei heute auch kein Widerspruch mehr, einer anderen Szene (etwa Gothic, Death Metal oder Rock) anzugehören.
An einem Hörbeispiel der Musikgruppe Lanza verdeutlichte Henning Flad die Weiterverbreitung rechtsextremistischen Gedankengutes durch ruhige Gitarrenmusik, was nicht unbedingt dem Bild entspricht, was gemeinhin dafür als Transportmedium erwartet würde.
Aktuelle Forschungsergebnisse

Anschließend stellte Bernd Geng aktuelle Forschungsergebnisse und Statistiken vor, die einerseits Tendenzen für den Rückgang rechtsextremistisch motivierter Taten in M-V erkennen ließen, andererseits jedoch aufgrund der neuen Erhebungsgrundlagen eher fragwürdig erscheinen. Nach ihm gab Mathias Rautenberg einen kurzen Überblick über die Projekte und Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in M-V.
