Fußballfieber: Ein Phänomen auf und neben dem Rasen.
Ab dem 7. Juni dreht sich wieder alles um die schönste Nebensache der Welt: Die Fußball-Europameisterschaft startet und wird in Österreich und in der Schweiz ausgetragen. Fußball ist mehr als ein Spiel. Fußball ist Medienereignis, Wirtschaftsfaktor und vor allem ein gesellschaftliches Massenphänomen. Mit eben jenen Themen beschäftigt sich die Veranstaltungsreihe „Fußballfieber 2008“. Im Rahmen des Auftaktpodiums, der Diskussionsabende, einer Lesung, Filmnacht und Ausstellung werden WissenschaftlerInnen, SportjournalistInnen und FußballerInnen das Phänomen "Fußball" untersuchen und diskutieren
Do, 17.04.2008 bis Di, 17.06.2008: Ausstellung "3xF. Fußball_Frauen_Fotografie"
Ort: Heinrich-Böll-Stiftung MV, Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
Die Ausstellung bietet dem weiblichen Blick auf das weite Feld des Fußballs ein internationales Forum. Elf Künstlerinnen aus neun Ländern Mittel- und Osteuropas greifen das gestiegene Interesse von Frauen auf und präsentieren künstlerische Ansichten von Frauen – genüsslich und kritisch, nachdenklich oder ironisch - auf ein (noch) männerdominiertes Sportterrain.
Die Ausstellung ist montags bis donnerstags, jeweils von 10 bis 17 Uhr oder nach Absprache zu sehen.
Donnerstag, 17.04.2008, 19.30 Uhr: Auftaktpodium „Phänomen Fußball. Zwischen Medieninszenierung und Kommerz“
Heinrich-Böll-Stiftung MV, Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
Längst nicht nur ein Spiel: Fußball ist Ersatzreligion, Medieninszenierung und Wirtschaftsfaktor. Der gesamte Spielbetrieb wird mehr und mehr kommerzialisiert. Die großen Spitzenfußballclubs beziehen heute nur noch einen kleinen Teil ihrer Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten. Die Profis sind nach wie vor abhängig beschäftigt, doch zumindest die Spitzenstars sind zugleich Unternehmer in eigener Sache. Zusammen mit den Klubs verkaufen sie "Erlebnisse" und werden zu Akteuren des Showbusiness.
Podiumsgäste:
- Judith Metz, Ausstellungskuratorin 3xF. Fußball_Frauen_Fotografie
- Enrico Kern, Spieler beim Erstligisten Hansa Rostock (angefragt)
- DFB-Ehrenspielführerin (angefragt)
Moderation: Hans-Jörg Goldhofer, Sportmoderator bei tv.rostock
Donnerstag, 24.04.2008, 20.00 Uhr: Lesung mit Thomas Brussig „Schiedsrichter Fertig. Eine Litanei“
andere Buchhandlung, Wismarsche Str. 6/7, 18057 Rostock
Einer packt aus. Mehr als zwanzig Jahre war er der Stratege am Rand, im Training ein harter Knochen, auf dem Platz ein Erlöser. Sein Verein hieß "Tatkraft Börde", sein Beruf ist Fußballtrainer. Thomas Brussig schlüpft in die Rolle eines Schiedsrichters, um über das Leben zu sinnieren. Wie es ist, von achtzigtausend Menschen ausgepfiffen zu werden. Wie es ist, nur durch Fehler Aufmerksamkeit zu gelangen. Wie es ist, von Zeitlupen widerlegt zu werden, die man selbst nicht hinzuziehen darf.
Thomas Brussig, 1965 in Berlin geboren, ist freier Schriftsteller und zählt mit seinem Film „Sonnenallee“ zu den bekanntesten Drehbuchautoren.
in Kooperation mit der anderen Buchhandlung und der Kulturwoche des AStA
Eintritt: 8,-/5,- EUR
Donnerstag, 08.05.2008: Podiumsdiskussion „Fußball und Fanverhalten “
tv-rostock (im Kosmos), Nobelstraße 50 a/b, 18059 Rostock
Die Sportart ruft Emotionen hervor und sorgt für eine kollektive Identität der Fans zu „ihrem“ Verein. Es wird mitgefiebert und mitgelitten und vor allem gefeiert. Spätestens seit der WM 2006 in Deutschland finden sich unter den Fans immer mehr Frauen. Und, leider stehen Fans auch wegen gewalttätiger Ausschreitungen in der Kritik.
Podiumsgäste:
- Sebastian Eggert, Suptras Rostock
- Saskia Pohl, Fanbetreuerin F.C. Hansa Rostock
- Dr. Thomas Schmidt-Lux, Kultursoziologe der Uni Leipzig
Moderation: Yvonne Niekrenz, Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Soziologie und Demographie der Uni Rostock
Donnerstag, 15.05.2008, 19.30 Uhr: Podiumsdiskussion „Wir sind Weltmeisterin!“
Heinrich-Böll-Stiftung MV, Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
Die Zeiten eines zeitweiligen Verbots und der Kaffeeservices als Dank für den EM-Titel der Frauen 1989 sind glücklicherweise vorbei. Birgit Prinz und ihre Kolleginnen haben mit den Vorurteilen deutlich aufgeräumt, doch von Gleichberechtigung kann noch lange keine Rede sein. Die Spitzenspielerinnen gehen neben dem Training noch einem Beruf nach oder büffeln für Prüfungen an der Uni. Diese unfreiwillige Bescheidenheit ist aber nur bedingt auf die Boshaftigkeit der Verbandsoberen zurückzuführen. Weil Frauenfußball außer zu großen Meisterschaften kaum im Fernsehen stattfindet, ist es für viele Vereine noch immer schwer, Sponsoren zu finden.
Podiumsgäste:
- Jens Kirschneck, Redakteur 11 Freunde
- Spielerin des SV Hafen Rostock oder SSV Satow
- N.N., Trainer oder Schiedsrichter
Moderation: Claudia Kajatin, Landesfrauenrat M-V
Donnerstag, 22.05.2008, 19.30 Uhr: Podiumsdiskussion „Fußball und Integration“
Heinrich-Böll-Stiftung MV, Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
"Die Welt zu Gast bei Freunden" lautete das Motto der WM 2006 in Deutschland. Die enorme Interkulturalität des Sportgroßereignisses spiegelt sich auch in den vielen multiethnisch zusammengesetzten Nationalteams und in vielen der 26.000 Vereinsteams in Deutschland wider. Doch wie wird mit den Fragen der Interkulturalität und Integration in den Vereinen umgegangen? Dominieren Diskriminierungen, Fouls und verhinderte Aufstiegschancen oder ist der Fußball ein Integrationsfaktor par excellence, gar ein role model für die interkulturelle Verständigung? Doch selbst wenn auf dem Rasen Fairplay herrschen sollte, grassiert eine rassistisch motivierte Gewalt seit Jahren in den Fußballstadien.
Podiumsgäste:
- Dr. Esther Lehnert, Mitarbeiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (angefragt)
- Klaus Walter, Radiomoderator, DJ, Journalist
- Nico Stroech, Leiter des Fan-Projekts Rostock
Moderation: Dr. Gudrun Heinrich, Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Politologie der Uni Rostock
Donnerstag, 29.05.2008, 19.30 Uhr: "Kicker, Körper, Kult.“
Heinrich-Böll-Stiftung MV, Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
Fußball ist eine extrem körperbetonte Sportart mit viel Bewegung, Aktion und Dynamik, die man nur betreiben kann, wenn der eigene Körper die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stellt. Dieses Spiel stellt hohe Anforderungen an die Fitness und auch eine gewisse Risikobereitschaft, denn die Verletzungsgefahr ist hoch. Fußball ist auch ein Spiel, bei dem körperliche Grenzen zwischen Spielern oftmals überschritten werden – eine Intimität, die bei männlichen Spielern und Fans nichts mit Homosexualität zu tun hat, weil Männlichkeit ununterbrochen hergestellt und bewiesen wird.
Podiumsgäste:
- Prof. Dr. Volker Zschorlich, Direktor des Instituts für Sportwissenschaften der Uni Rostock
- Enrico Kern, Spieler des Erstligisten Hansa Rostock (angefragt)
- Sportmedizinerin oder Physiotherapeutin
Moderation: Yvonne Niekrenz, Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Soziologie und Demographie der Uni Rostock
Donnerstag, 05.06.2008, 20.00 Uhr: Filmnacht "Das Runde im Eckigen“
Lichtspieltheater Wundervoll, Stephanstraße 7, 18055 Rostock
"Football Under Cover"
(Deutschland 2007, 85 min, R: David Assmann, Ayat Najafi)
Teheran im April 2006: Vor mehr als 1000 jubelnden Frauen findet das erste offizielle Freundschaftsspiel zwischen der Iranischen Frauen-Nationalmannschaft und einer Berliner Mädchenbezirksmannschaft statt. Auf den Rängen wird getobt, es wird gesungen und getanzt. Draußen vor den Toren ein paar Männer, die versuchen, einen Blick durch den Zaun zu erhaschen. Für sie ist der Eintritt heute verboten. Diese 90 Minuten sind mehr als ein Fußballspiel. Hier entlädt sich der Wunsch nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit, und es wird klar: Veränderung ist möglich.
Der Dokumentarfilm wurde auf der Berlinale 2008 mit 2 Teddys (Bester Film und Publikumspreis) ausgezeichnet.
"My Name is Joe"
(Großbritannien/Deutschland 1998, 105 min, R: Ken Loach)
Mit diesem Satz stellt sich der arbeitslose Joe Kavanagh bei den Anonymen Alkoholikern vor. Seit einem Jahr ist er "trocken". Seine einzige Freude ist die schlechteste Fußballmannschaft Glasgows, dessen Trainer er ist. Die Spieler stammen alle aus den Armenvierteln der Stadt, ihre Trikots sind geklaut und tragen die Namen der deutschen Weltmeistermannschaft von 1974, aber sie haben ein Teamgeist, der ihnen das Gefühl der Gemeinschaft vermittelt.
Durch Zufall lernt Joe die Sozialarbeiterin Sarah kennen, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Sie erwidert seine Gefühle und Joe schöpft Hoffnung auf ein besseres Leben. Aber dann legt er sich mit der Drogenmafia an, weil sein Freund Liam den Gangstern viel Geld schuldet...
Der Film wurde 1998mit dem Publikumspreis von Locarno ausgezeichnet.



