'Das hat’s bei uns nicht gegeben' – Antisemitismus in der DDR
Ausstellungseröffnung
mit
Thomas Leuchert, Landrat des Landkreises Bad Doberan
Heike Radvan, Amadeu-Antonio Stiftung, Berlin
Oft wird darüber diskutiert, woher der Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern kommt. Erklärungen suchen Politik und Wissenschaft meist in sozialen Kontexten. Außer Acht gelassen wird jedoch häufig ein anderer Aspekt: Auch der Osten Deutschlands war Teil des nationalsozialistischen Täterlandes. Somit hatte sich auch die DDR mit diesem Erbe auseinander zu setzen. Der Staat aber erklärte die Bevölkerung zu einem Volk von Antifaschisten. In den Familien oder Gemeinden fand in der Regel keine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit statt. So blieb der Bodensatz des Antisemitismus unangetastet. Bis heute hält sich der Mythos, es hätte in der DDR keinen Antisemitismus gegeben.
An der Ausstellung, die von der Berliner Amadeu Antonio Stiftung konzipiert wurde, haben 76 Jugendliche in acht ostdeutschen Städten zum Thema „Antisemitismus in der DDR“ geforscht, darunter in Rostock und Hagenow. Sie haben Fragen gestellt und Fakten recherchiert: Wo befindet sich der jüdische Friedhof, und wo sind nach 1950 seine Grabsteine geblieben? Was wurde in der Regionalzeitung über Israel geschrieben? Und wie wurde öffentlich an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert?
Die fünf Aussteller wollen sich der kontrovers diskutierten Ausstellung und der eigenen Verantwortung stellen.
Bis zum 18. März 2009 kann die Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr kostenlos besichtigt werden.