Uwe Johnson sieht fern
Film und Gespräch
mit Saskia Walker (Regisseurin) und PD Dr. Holger Helbig (Uwe Johnson-Stiftungsprofessur)
Uwe Johnson, Autor von „Mutmassungen über Jakob“ und "Jahrestage", rezensiert 1964 für den Westberliner "Tagesspiegel" das Fernsehprogramm der DDR. Fünf Jahre zuvor hat er selbst die DDR verlassen. Inzwischen steht die Mauer, die Entfremdung zwischen Ost und West wird größer. Johnson will den Lesern vermitteln, wie die DDR sich selbst sieht und präsentiert. Er begründet seine Motivation mit folgenden Worten: "Da wir die so veränderten Nachbarn unverhofft wiedersehen könnten und uns vorbereiten sollten, sie zu verstehen."
Regisseurin Saskia Walker hat die Sendungen, die Johnson damals besprach, im Archiv aufgespürt und zeigt Material, das jahrzehntelang vergessen war - gefiltert durch Johnsons scharfsinnige Texte. Uwe Johnson rezensierte verschiedene Sendeformate des DFF: "Die aktuelle Kamera" hofiert Rückkehrer aus dem Westen als neue DDR-Bürger. "Prisma" fragt nach mehr Kundenfreundlichkeit im Kaufhaus. Ein Dokumentarfilm erkundet den Nutzen der Mauer. Die Sendung "Hamburg-Rostock anno 64" erfragt die Zukunft Deutschlands zwischen NATO und Warschauer Pakt. Die Frankfurter Auschwitzprozesse werden nachinszeniert und im "Schwarzen Kanal" kehrt Karl Eduard von Schnitzler zurück. Am Ende streut das Sandmännchen Sand in die Augen.
Der Film gibt ein Bild der frühen 60er-Jahre. Er befragt die Mediengeschichte des Fernsehens, zeigt den berühmten Schriftsteller von einer unbekannten Seite und erzählt nicht zuletzt von der Teilung Deutschlands.
In Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Universität Rostock und dem Literaturhaus Rostock