Frauen, die Mecklenburg-Vorpommern bewegen
Welche Persönlichkeiten fallen Ihnen spontan ein, wenn Sie an Mecklenburg-Vorpommern denken? Otto Lilienthal, Ernst Barlach, Fritz Reuter oder Walter Kempowski? Alles Männer! Gibt es denn keine bedeutende Frau in der Geschichte unseres Landes? Von insgesamt 18 außergewöhnlichen Frauen erzählt unsere Ausstellung.
Frauen, die Mecklenburg-Vorpommern bewegen
Mit unserer Ausstellung rücken wir Frauen ins Licht der Öffentlichkeit – Frauen, die Mecklenburg-Vorpommern bewegen. Mit ihrer Biografie, ihren Visionen und ihrer ganz eigenen Geschichte. Wir zeigen Frauen aus dem 19. bis 21. Jahrhundert, die entweder in Mecklenburg bzw. (Vor)Pommern geboren wurden oder eine Zeit ihres Lebens hier gelebt haben bzw. leben. Sie alle haben unsere Zivilgesellschaft damals und heute geprägt.
Geschichte und Zivilgesellschaft bewegen sich zwischen Staat, Familie, Markt, Alltag, Kunst, Wissenschaft und Kultur. Und so findet sich neben der Politikerin auch eine Künstlerin, Wissenschaftlerin, Autorin, Sportlerin und bspw. die Ärztin Franziska Tiburtius. Trotz vieler Hindernisse konnte sie als erste Frau ihre eigene Praxis und später sogar eine Klinik eröffnen. Oder Auguste Sprengel, eine Lehrerin aus Waren, die sich im 19. Jahrhundert für die Bildung von Frauen einsetzte. Heute gilt sie wegen ihres Engagements als „die Mutter der Frauenschulbewegung“. Als „die Mutter der Rostocker Demokratie“ wird Dietlind Glüer bezeichnet. 1989 begründete sie das Neue Forum in der Hansestadt mit. Die auf Usedom geborene Carola Stern wiederum ist Mitbegründerin der Menschenrechtsorgansiation Amnesty International in Deutschland. Und zu den Frauen, die oft im Schatten „berühmter Männer“ standen, gehört Marga Böhmer, die langjährige Wegbegleiterin Ernst Barlachs. Ihrer selbstlosen Unterstützung, bei der ihre eigene bildhauerische Arbeit in den Hintergrund trat, ist die Existenz der Gedenkstätte für den bedeutenden Bildhauer zu verdanken.
Von solchen außergewöhnlichen, engagierten und wohl fortschrittlichen Frauen erzählt unsere Ausstellung. Ihre Biographien sind oft eng mit den gesellschaftlichen und politischen Ereignissen verbunden. Sie alle haben nicht nur ihre eigenen Begabungen entwickelt, sondern darüber hinaus mit ihrem Können und Wissen für ihre Mitmenschen gewirkt. Dieses Engagement war manchmal nur deshalb möglich, weil sie das ihnen zugedachte konventionelle Rollenbild als Frau nicht akzeptierten.
Dass manche dieser Frauen in Vergessenheit geraten sind, mag man allein an der Tatsache ablesen, dass es oft schwierig war, ausreichend Archivmaterial zusammen zu tragen. Und so könnten an dieser Stelle noch viele weitere Frauen und deren Wirken präsentiert werden. Stellvertretend für all jene und die Vielfalt der weiblichen Perspektiven repräsentierend stehen die Biografien der hier vorgestellten Frauen. Einige von ihnen sind noch heute aktiv. Ihnen danken wir besonders, dass wir einen kleinen Teil ihres Lebens aufschreiben durften. Und obgleich wir sie nicht namentlich aufzählen können, so gilt unser herzlicher Dank auch denjenigen, die uns bei der Recherche und Umsetzung unterstützt haben!
Mit der Ausstellung hoffen wir, den Frauen einen Platz in der öffentlichen Erinnerung geschaffen zu haben und Mut machen zu können, dass Frauen selbstbewusst und nicht im Verborgenen handeln.
Wir wünschen der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher und Ihnen allen viel Freude an ihr!
Kurzporträts der Frauen:

Franziska Tiburtius (1843-1927)
- geboren auf dem Gut Bisdamitz auf Rügen
- Studium der Medizin und Promotion in Zürich (in Deutschland für Frauen nicht gestattet)
- eröffnet als erste Ärztin eigene Praxis in Berlin, später auch eigene Klinik

Auguste Sprengel (1847-1934)
- geboren in Waren
- „Mutter“ der Frauenschulbewegung
- Schulvorsteherin in Waren
- Erarbeitung von Schulgesetzen, die später Eingang in Schulordnung finden
- später in Berlin Eröffnung der ersten deutschen Frauenschule

Mathilde Mann (1859-1925)
- geboren in Rostock
- berühmte Übersetzerin (u.a. Henrik Ibsen, H.C. Andersen)
- Lehrtätigkeit an Uni Rostock (Lektorin für Dänisch), doch kein Lehrstuhl
- erhält als erste Frau Ehrenpromotion der Uni Rostock

Marie Bloch (1871-1943)
- geboren in Berlin, Wahlheimat Rostock
- Einrichtung eines reformorientierten Kindergartens mit angeschlossener Kinderpflegerinnenschule (legendär)
- Gleichzeitig Engagement in zahlreichen sozialen Vereinen
- Um 1919 entscheidend an Reformierung von Kindergärten, Warteschulen und Horten in M-V beteiligt
- Ermordung in Theresienstadt

Elisabeth Krämer-Bannow (1874-1945)
- geboren in Wismar
- Forscherin im Bereich Völkerkunde
- wissenschaftliche Tätigkeit gemeinsam mit Forschungscrew ihres Mannes, dort nach 2. Reise auf dem Schiff als vollwertiges Mitglied der Forschungsgruppe anerkannt
- veröffentlichte auch Forschungsberichtemit eigenen Zeichnungen, doch ihr Name blieb meist unerwähnt
- „Bei kunstsinnigen Kannibalen in der Südsee – Wanderungen auf Neu-Mecklenburg“

Rosa Katz (1885-1976)
- geboren in Odessa
- Pädagogin und Entwicklungspsychologin
- von 1919-1935 lebte sie in Rostock
- bedeutende wissenschaftliche Forschung und Publikationen über Sprachentwicklung, Sozialverhalten und Erziehungsfragen von Kindern gemeinsam mit ihrem Mann,
- machte Montessori-Pädagogik in Deutschland bekannt (Erziehung von Kindern zur Selbstständigkeit)
- gründete in Warnemünde einen wandernden Kindergarten, in dem Prinzipien der Montessori-Pädagogik umgesetzt wurden.
- emigriert nach Machtübernahme durch Nationalsozialisten nach England, später nach Schweden
- leitet kinderpsychologische Abteilung der Universität Stockholm

Edith Lindenberg (1887-1944)
- geboren in Berlin
- Studium der Medizin
- widmet sich nach 1. Weltkrieg der Politik
- Mitbegründerin der Rostocker Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und der Deutschen Friedensgesellschaft
- Ermordung in Theresienstadt

Marga Böhmer (1887-1969)
- geboren in Stolberg/Harz
- ab Anfang der 20er-Jahre lebt sie in Mecklenburg, zunächst mit dem Maler Bernhard Böhmer
- Bildhauerin, Wegbegleiterin, Lebensgefährtin Ernst Barlachs
- unterstützt Ernst Barlach und leistet selbstlos Vorarbeiten für seine Plastiken
- stellt in der Güstrower Gertrudenkapelle Arbeiten des Künstlers aus und betreut die
- Ernst-Barlach-Gedenkstätte

Tisa von der Schulenburg (1904-2001)
- Aufgewachsen in London, Berlin und dem Gut Tressow/Mecklenburg
- Künstlerin, Nonne
- lebt während der Kriegsjahre auf dem mecklenburgischen Gut Klein Trebbow
- bekennende und engagierte Kunst – L’art engagé
- Zeichnungen und Plastiken zu politischen und sozialen Themen
- Stirbt als Schwester Paula im Ursulinenkloster Dorsten

Meta Sander (1906-1996)
- geboren in Engers-Mühlehofen/Rheinland
- ab 1933 in Pommern und Mecklenburg
- 1958-1971 Chefärztin der Frauenklinik Wismar
- außerordentliches Engagement für Klinik und Patientinnen
- nach Pensionierung ist sie weiterhin im Gesundheitswesen tätig, berät Schwangere

Brigitte Reimann (1933-1973)
- geboren in Burg bei Magdeburg
- von 1968 bis zu ihrem Krebstod lebte sie in Neubrandenburg
- bedeutende Schriftstellerin („Franziska Linkerhand“)
- Engagement in Fragen des Städtebaus und der Jugendpolitik

Carola Stern (1925-2006)
- geboren in Ahlbeck auf Usedom
- Publizistin, Journalistin und Menschenrechtlerin
- 1961 begründete sie die westdeutsche Sektion von amnesty international mit, deren Vorsitz sie auch übernahm
- galt als eigenwillige und mutige Journalistin, beim WDR war sie die einzige Kommentatorin für Politik
- nach ihrer Pensionierung schrieb sie bedeutende Frauenbiografien

Dietlind Glüer (1937)
- geboren in Osterode/Ostpreußen
- „Mutter der Rostocker Demokratie“
- Gemeindepädagogin und Mitbegründerin des Neuen Forum in Rostock
- Besetzung der Stasi-Zentrale in Rostock

Rosmarie Poldrack (1955)
- Geboren in Nerchau bei Leipzig
- Umweltschützerin und Energieexpertin
- Ärztin mit christlichem Hintergerund
- Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist für die wegzeichnend, sie engagiert sich in der
- Anti-Atombewegung und gründet im Frühjahr 1989 die „Bürgerinitiative Kernenergie e.V.“

Mai-Phuong Kollath (1963)
- geboren in Hanoi/Vietnam
- Pädagogin und Integrationsexpertin
- ab 1981 Vertragsarbeiterin in Rostock
- Brandanschlag von 1992 in Rostock-Lichtenhagen ist Auslöser für ihr berufliches Engagement beim Verein Dien Hong, der Bildungs- und Sprachangebote aufbaut und Sozialberatungen für Migranten anbietet
- Seit 2011 interkulturelle Beraterin in Berlin
- Teilnehmerin des Integrationsgipfels der Bundesregierung und stellvertretende Vorsitzende des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates. Weiterhin ist sie Vorsitzende des Sprecherates des Netzwerkes von Migrantenorganisationen M-V.

Ute Laux (1964)
- geboren in Leipzig
- Künstlerin
- lebt und arbeitet in Schwerin, Mitbegründerin der Kunstschule Ataraxia, Mitglied in der „KünsterInneninitiative“ Kontor in Schwerin
- mit ihrem Zyklus „Blutkörperdrucke“ protestiert sie 2006 gegen die Arno-Breker-Ausstellung in Schwerin

Steffi Nerius (1972)
- geboren in Bergen auf Rügen
- ehemalige Speerwerferin und Weltmeisterin
- Sportverein in Saßnitz, Kinder- und Jugendsportschule Rostock
- Junioreneuropameisterin im Speerwerfen, Wechsel nach Leverkusen und Sportstudium
- in Köln, Zweitplazierte in Athen 2004, Europameisterin 2006 in Göteborg, mit Gold bei der Leichtathletik-WM in Berlin feierte sie krönenden Abschluss ihrer Karriere
- 2009 wurde Steffi Nerius zur Sportlerin des Jahres gekürt
- Die Diplom-Sportlehrerin arbeitet im Bereich Rehabilitation, Behindertensport und Nachwuchsförderung und engagiert sich in der Deutschen Sporthilfe.
Leihbedingungen, Kosten
Die Ausstellung besteht (derzeit) aus 19 Plakten im Format DIN A1. Sie kann kostenlos entliehen werden. Sie zahlen lediglich die Versandkosten. Auf Wunsch stellen wir auch Rahmen zur Verfügung, die einfach gehängt werden können. Für den Transport und die dafür anfallenden Kosten zeichnet sich der Entleiher verantwortlich.
Erwerb der Ausstellung
Auf Wunsch stellen wir Ihnen die einzelnen Plakate auch als druckfähige Datei zur Verfügung, die Sie selbstständig vervielfältigen dürfen. Bitte beachten Sie, dass hierfür auch die unter dem Punkt Bewerbung aufgeführten Konditionen gelten.
Bewerbung
Für die Bewerbung der Ausstellung stellen wir Ihnen eine pdf-Datei mit Informationen und dem Entwurf einer Pressemitteilung zur Verfügung. Bei der Gestaltung einer Einladungskarte sind wir gern behilflich. Die Heinrich-Böll-Stiftung MV muss als Ausstellungsmacherin in allen Ankündigungen und Pressemitteilungen erwähnt werden.
Haftung
Für die Unversehrtheit der Ausstellung haftet der Entleiher. Für Transportschäden haftet die Transportfirma.
Kontaktadresse
Heinrich-Böll-Stiftung MV
Mühlenstraße 9
18055 Rostock
fon: 0381 - 49 22 184
fax: 0381 - 49 22 156
email: post(at)boell-mv.de


