Matthias Nawrat: „Das glückliche Schicksal“

1983: Die junge polnische Psychologin Wanda Karłowska reist nach Venedig, um den dort im Exil lebenden Henryk Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder ist es ein Verhör, bei dem sich Mrugalski, einst Gulag-Häftling, später Kollaborateur, der Verantwortung entzieht? Nawrats Roman führt uns tief hinein in die jüngere europäische Geschichte -auch jenseits des Wirkungskreises der SED. Denn im gesamten Ostblock kannte man das Leben mit mehreren Wahrheiten, den eigenen Täter- und Opfer-Geschichten, die gleichzeitig und voreinander Versteck spielend im Inneren ausharren. Nawrat folgt zwei Generationen auf ihrem Weg zu den Fragen, vor die das Menschsein uns stellt: Wem kommen wir nah? Wie können wir verantwortlich leben? Wie hängen, wenn Geschichte und Bürokratie über unser Schicksal bestimmen, Glück und Moral zusammen?

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, emigrierte als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg und lebt heute in Berlin. Sein Werk wurde viele Male ausgezeichnet, unter anderem mit der Alfred Döblin-Medaille, dem Literaturpreis der Europäischen Union sowie dem Fontane-Literaturpreis 2023.

Moderation: Ulrika Rinke, Literaturhaus Rostock

Eintritt: 5/8/10 Euro & Kulturticket, Anmeldung: reservierung@literaturhaus-rostock.de